26.02.2018 – Forschung, Fachkräfte, Medienerziehung, Mobile Medien, Weitere Publikationen

Mobile Medien in Kindertageseinrichtungen?

Aktuelle Teilstudie wirft Blick auf Haltungen von pädagogischem Personal zum Einsatz digitaler und mobiler Medien.

Im Rahmen der Studie „Mobile Medien in der Familie“ widmet sich die Teilstudie „Mobile Medien und Internet im Kindesalter – Fokus Kindertagesstätten“ den Ausgangsbedingungen für die Arbeit mit mobilen und digitalen Medien in Kindertageseinrichtungen. Ausführliche Gespräche mit bayernweit 178 pädagogischen Mitarbeitenden und Leitungen in 33 Einrichtungen geben Aufschlüsse darüber, welche Bedarfe aufseiten des pädagogischen Personals ausgemacht werden können. Einen Schwerpunkt bildet in dieser Teilstudie darüber hinaus, inwiefern digitales Spielen in den Einrichtungen von Bedeutung ist.

Heterogenität in den Konzepten von Kindertagesstätten wird deutlich

Digitale und mobile Medien werden in den Konzeptionen der Einrichtungen auf unterschiedliche Arten thematisiert. Während einige der Einrichtungen digitale Medien in ihren Konzeptionen nicht aufgenommen haben und aus einigen Konzeptionen auch nicht hervorgeht, wie Medienerziehung in den Einrichtungen stattfindet, beschreiben andere Häuser in ihren Konzeptionen konkret, wie sie ihre medienpädagogische Arbeit umsetzen. Die Analyse unterstreicht insbesondere die Heterogenität hinsichtlich der Haltungen zu digitalen und mobilen Medien in Kindertageseinrichtungen. Es zeigt sich aber auch, dass in der Umsetzung digitale und mobile Medien bereits in allen Kindertageseinrichtungen Einzug gehalten haben, sei es als Organisations- oder Kommunikationsmittel, als Lernspielzeug oder – noch weniger verbreitet – als Werkzeug für die pädagogische Arbeit.

Persönliche Einstellungen wiegen mehr als äußere Rahmenbedingungen

Eine ebensolche heterogene und vielfältige Struktur, wie in den Konzepten, zeigt sich in den Haltungen von pädagogischem Personal zum Einsatz digitaler Mediengeräte in ihren Einrichtungen. Die Studie macht dabei drei Gruppierungen fest, die sich in ihren Herangehensweisen maßgeblich voneinander unterscheiden. Sichtweisen reichen dabei von „Lieber machen wir was anderes“, über „digitale Medien schaffen vielfältige Lernmöglichkeiten“, bis hin zu „damit müssen wir uns anfreunden“. Es zeichnet sich insbesondere ab, dass weniger die äußeren Rahmenbedingungen von Einrichtungen ausschlaggebend sind, wie sich medienerzieherisches Handeln in Kindertageseinrichtungen darstellt. Wichtiger ist, wie überzeugt und überzeugend pädagogisches Personal die eigenen Einstellungen vertreten kann – insbesondere auf der Leitungsebene.

Ausrangierte Mobiltelefone gehören häufig zur Ausstattung von Betreuungseinrichtungen

Annäherungen an digitales Spielen in Kindertagesstätten verdeutlicht eine große Deckungsgleichheit mit den heterogenen Ansichten von pädagogischem Personal. Werden einerseits positive Stimmen laut in Bezug auf gemeinschaftliche Prozesse durch beispielsweise das Spielen an der Wii, ordnen andererseits sowohl Mitarbeitende, als auch Leitungen digitalen Mediengeräten eine tendenziell vereinsamende Komponente zu. Überwiegend herrscht in diesem Kontext ein eher kritischer Ton. Wenn es allerdings um Als-ob-Spielzeug geht, also Objekte, die die Funktion von digitalen Mediengeräten einnehmen, aber beispielsweise auch ausrangierte Mobiltelefone, finden sich in fast allen Kindertageseinrichtungen Geräte dieser Art. Die Geräte dabei in Rollenspielen einzusetzen, um Alltagserfahrungen spielerisch darzustellen, befürworten die Befragten ausnahmslos.

Studie entwickelt zukunftsweisende Aspekte für die Medienerziehung in Kindertagesstätten

Ein grundlegender Befund der Studie ist, dass digitale Medien in allen Einrichtungen des Samples angekommen sind – allerdings nicht unbedingt in deren pädagogischer Arbeit. Mit Blick auf die analysierten Konzeptionen fällt dabei durchaus positiv auf, dass Medienerziehung bei dem Großteil der Einrichtungen im Konzept eine Rolle spielt. Mit Blick auf die Haltungen des pädagogischen Personals ergibt sich dagegen ein durchaus breiteres Spektrum an Positionen, das auch eine vehement ablehnende Haltung gegenüber digitalen Medien in der pädagogischen Arbeit einer Kindertagesstätte einschließt. Insgesamt arbeitet die Teilstudie fünf zukunftsweisende Aspekte heraus, die entscheidende Pfeiler für Medienerziehung in Kindertagesstätten darstellen:

  • Die Kind- und Zukunftsorientierung muss in der Entwicklung von Konzepten für die „digitale Bildung in Kindertagesstätten“ gestärkt werden,
  • eine Orientierung am Umgang mit Medien in den Familien ist nur mit Kenntnissen über das familiäre Medienhandeln möglich,
  • Innovationsförderliche Fortbildungskonzepte für das ganze Team müssen entwickelt werden,
  • Wissen über digitale Spiel-Möglichkeiten muss zur Verfügung gestellt und neuartige Spielkonzepte sollten entwickelt werden,
  • medienpädagogische Kompetenz muss flächendeckend in die pädagogische Ausbildung integriert werden.

 

Zum Download des Berichts zur Teilstudie

 

 

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